flyer

Es spielen Aktion X, Freischnauze, Restless Riot, Stage Bottles.
Für veganes und nicht-veganes Essen ist gesorgt.
Getränke gibt es zu fairen Preisen.
Ab 18 Uhr wird ein Workshop zum Thema „Rassismus“ stattfinden.

02.06.2011 – Christi Himmelfahrt in Mügeln

Zivilcourage, ein Fremdwort?

„Ich hatte noch nie so viel Angst in meinem Leben.“ Karin (Name geändert) versucht, ihre Tränen zu unterdrücken, während sie von der Polizei vernommen wird. Die über 50jährige erzählt, wie sie wenige Momente vorher, am 2. Juni 2011, bedroht wurde – „Wir stechen dich ab!“ haben Mügelner Jugendliche und ihr Berliner Bekannter geschrien, als sie sie verfolgten. Diese sind schon länger für ihre menschenverachtenden Einstellungen und rechts motivierten Gewalttaten bekannt. Am gleichen Nachmittag wollte Karins Sohn seine Freundin verteidigen, die von ihnen mit Böllern beworfen wurde. Stefan (Name geändert) wurde daraufhin von den angetrunkenen Neonazis und ihren Mitläufern mitten auf dem Mügelner Marktplatz brutal zusammengeschlagen. Geprellte Rippen und mehrere Hämatome, so der Arztbefund der Notaufnahme.
Wie an vielen Wochenenden zuvor versammelten sich die Rechten auch an diesem Abend nochmals vor seinem Wohnhaus. Sie belästigten die Nachbar_innen, welche daraufhin die Polizei verständigten. Als diese Platzverweise erteilte, ertönte später vom unweit entfernten Markt „Kommt doch runter, ihr dreckigen Juden!“.

Schwere Körperverletzung, eine Morddrohung, Beleidigungen. Am helllichten Tag. Begleitet von unzähligen Augenpaaren, aus sicherer Entfernung. Hinter ihren Gardinen oder von der anderen Straßenseite. Manche Menschen blieben stehen, fragten jedoch nicht einmal nach. Die meisten gingen einfach weiter. Aus Angst, Ignoranz? Oder gehört rechte Gewalt schon zur alltäglichen „Normalität“ in Mügeln?

„Wenn wir was machen, stehen die doch das nächste Mal vor unserem Haus.“ Doch genau darin besteht die Herausforderung an die Zivilgesellschaft, an uns alle: einschreiten, anstatt weiterzugehen. Sich empören, anstatt den Mund zu halten. Aktiv werden, anstatt wegzuschauen. „Die Welt ist viel zu gefährlich, um darin zu leben – nicht wegen der Menschen, die Böses tun, sondern wegen der Menschen, die daneben stehen und sie gewähren lassen.“ (Albert Einstein)